Strukturveränderung im Frauenteam der DEG – Kai Erlenhardt will sein Team professionalisieren und blickt dabei nach Nordamerika. Sybille Kretzschmar wird das Team ab sofort führen.

Der 29-jährige Kai Erlenhardt legte vor knapp 2 Jahren bei der DEG los. Sein Ziel: Maximalen Erfolg! Hinter dieser Aussage steckt nicht nur viel Arbeit auf dem Eis sondern auch in den Bereichen Scouting, Ausbildung, Netzwerk und Vermarktung. Sein Team ist seine große Liebe und er hat mit der DEG noch so einiges vor. „Die letzten beiden Jahre waren ein sehr guter Start, wir waren sportlich erfolgreich und konnten uns durch junge talentierte Spielerinnen in diesem Jahr enorm verstärken. Um zukünftig weiter erfolgreich zu bleiben sind wir gezwungen uns zu verändern. Wir befinden uns momentan in Phase 2 meiner  Vision und ich gehe davon aus, dass wir bis 2018 mit dem kompletten Umbruch fertig sind“, so der junge Trainer.

Wir wollten mehr über sein Vorhaben bei der DEG herausfinden und haben uns mit Kai Erlenhardt über seine Vorhaben unterhalten.

Hallo Kai, vielen Dank dass du dir die Zeit für uns nimmst. Das Jahr 2016 endete mit einer Top Verpflichtung. Was erwartet dich und dein Team im Jahr 2017?

Kai Erlenhardt: Ich hoffe nur Gutes. Vor uns stehen nun 10 harte Wochen auf dem Programm. Wir spielen für die Stadt Düsseldorf um den Meistertitel mit und wir wollen den Pokal unbedingt nach Hause holen. Mit Bergkamen und Köln gibt es aber im Moment zwei bessere Teams. Ich hoffe, dass mein Team bereit ist sich zu quälen. Sollte es zur Qualifikation für die 1. Bundesliga reichen, werden wir ein spannendes Jahr aus sportlichen Gesichtspunkten vor uns haben. In den nächsten 6 Monate kommt viel Arbeit auf mich zu: Zum einen steht die Kaderplanung für die kommende Saison auf dem Programm, zum anderen werde ich das Fraueneishockeyprogramm bei der DEG weiter ausbauen und setze bei unseren Spielen auf die Fans der DEG.

Frank: Kannst du uns zum Ausbau des Fraueneishockeyprogrammes näheres erzählen?

Kai Erlenhardt:  Ja, klar. Neben den sportlich kurzfristigen Zielen habe ich auch langfristige Ziele im Blick. Wir müssen unseren Spielerinnen auf und neben dem Eis bessere Perspektiven bieten und gleichzeitig Strukturen schaffen. Seit November arbeite ich mit einer Agentur aus dem Düsseldorfer Medienhafen an einem Vermarktungskonzept für das Fraueneishockey bei der DEG. Dieses soll im ersten Schritt für Bekanntheit, Image und Transparenz sorgen. Im zweiten Schritt geht es um Sponsorenakquise (die auch dem Verein zu Gute kommen soll), Arbeitsplätze und weiteren Mehrwerten auf die ich aber noch nicht eingehen möchte.

Frank: Mit deinen 29 Jahren verfügst du über ein breites Netzwerk. Wie ist der Kontakt in die USA?

Kai Erlenhardt: Sehr gut ich kann mich nicht beklagen. Im April werde ich nach Florida fliegen und Spieler scouten. Ich treffe dort den General Direktor eines NWHL Teams, der mich zu diesem Camp eingeladen hat. Für mich ist das eine tolle Sache. Ich war schon im vergangenen Jahr ein Teil des Trainerteams in Schweden. Nun kann ich in Florida mein Netzwerk weiter ausbauen und mich mit den besten Frauen Eishockeytrainer der Welt austauschen.

Frank: Eine weitere wichtige Entscheidung im Rahmen der sportlichen Strukturen hast du am Montagabend getroffen. Du hast dich für Sybille Kretzschmar als neue Kapitänin entschieden. Warum nicht für eine Spielerin die schon länger im Kader ist?

Kai Erlenhardt: Um eine Antwort auf solch eine Frage zu erhalten, kann man nicht nach einer Norm gehen. Es geht nicht darum wer am längsten dabei ist oder wer den besten Charakter hat. Es geht darum eine Spielerin zu finden, die die Philosophie des Trainers in die Mannschaft impliziert ohne dabei ihre eigene Leistung auf dem Eis zu hemmen. Ich habe Sybille letzte Woche für ein Abendessen in Füssen getroffen und ich habe mit ihr alle wichtigen Dinge besprochen. Sie hat das gesagt, was ich denke. Sie liebt Eishockey und hat das Team von der ersten Sekunde an ins Herz geschlossen. Sie braucht keinen Hype und  rennt nicht zum Schiri, um sich den zweiten Assist zu holen. Für Sie steht das Team, die gesteckten Ziele und der Sport im Fokus. Ich verspreche mir von Ihr, dass Sie das Team in den wichtigen Spielen mitreißen wird.

Frank: Du gestaltest das komplette Fraueneishockeyprogramm bei der DEG und trägst viel Verantwortung. Wie stemmst du das mit deinen 29 Jahren und wo siehst du das Fraueneishockey bei der DEG in 2025?

Kai Erlenhardt: Alles steht und fällt mit dem Team das um dich steht. Mit Udo und Michael habe ich zwei Personen die voll und ganz hinter meinem Team stehen und mir immer den Rücken stärken. Zum anderen habe ich durch meine Ausbildung zum Fußballmanager beim VfL Wolfsburg eine klare Vorstellung von meiner Vision. Ich versuche meine Ziele nach und nach zu erreichen und durchdenke alles 5 Mal bevor ich etwas umsetze. Zum Thema Fraueneishockey bei der DEG 2025 denke ich groß und weit, habe aber auch eine klare Vorstellung. Ich pflege einen sehr guten Kontakt nach Amerika und bin mit dem General Direktor eines National Women Hockey League Teams sehr gut vernetzt. Wir tauschen uns im Moment sehr viel aus. Er gibt mir gute Tipps für die Entwicklung des Eishockeystandorts in Düsseldorf. Ich möchte das Frauenteam der DEG zu einem Aushängeschild in Deutschland machen. Die einzige variable in dem Konstrukt ist das spielende Team, würden die Mädels nicht mitziehen, kann ich meine Vision nicht umsetzen.

Frank: Kommen wir zum Schluss zu deiner persönlichen Zukunft. Würdest du ein Angebot aus dem Herrenbereich oder aus deinem Netzwerk in den USA prinzipiell für dein Team ausschlagen?

Kai Erlenhardt: Das kann ich so nicht bestätigen. Ich fühle mich bei der DEG sehr wohl und ich liebe mein Team, das meine ich zu 100% ernst. Ich kann es nicht erwarten mit ihnen abends zu trainieren, sie zu besseren Spielern zu machen und mit ihnen konstruktiv zu diskutieren. Hinzu kommt mein Projekt für das ich angetreten bin. Ich möchte in Düsseldorf etwas bewegen und ich bin auch kein Typ der sehr Sprunghaft ist. Aber ich würde es prinzipiell nicht ausschließen in dem Land zu arbeiten wo Eishockey gelebt wird.

Frank: Vielen Dank und viel Erfolg für die zweite Hälfte der Saison.

Kai Erlenhardt: Vielen Dank Frank.